Motorious Photographs
BRUMMM maker Hermann Köpf

Brummm Hermann Köpf

Motorradfahren ist eine sehr vielschichtige Angelegenheit, wenn man es als Ganzes betrachtet. Es gibt eine besondere Gruppe unter den vielen, die wachsen. Nenn’ Sie Vintage- oder Custom-Biker. Das passt so in etwa, aber irgendwie auch nicht, da diese Gruppe aus Individualisten besteht. Sie eint das Fahren – aber auch das überholen. Meistens eher das Überholen der Motoren ihrer in die Jahre gekommenen Bikes. Hermann Köpf, Organisator des “Auerberg Klassik” Bergrennens und einer der Gründer des BRUMMM Magazine war so nett für uns den Schraubenschlüssel zur Seite zu legen und uns ein paar Fragen zu beantworten.

 


MB: Das BRUMMM-Magazin, das Du veröffentlichst, ist jetzt in der vierten Auflage. (Drei davon sind bereits in Eurem Webshop auf brummm.com verfügbar.) Was ist die Absicht von BRUMMM? Für wen ist das ’was?

Wir sind zwei Kerle, Christian Eusterhus und ich, die BRUMMM vor drei Jahren als Nebenprojekt gestartet haben. Wir sind beide Fotografen, die eine Plattform für „motorisierte“ Fotografen aus der ganzen Welt schaffen wollten, um deren fotografischen Werke in einem hochwertigen Printprodukt zu huldigen. In verschiedenen ’Scenes’, auf Events oder in Garagen ist so viel los, was alles nicht in regulären Motorradmagazinen veröffentlicht wird. Die Tatsache, dass jeder Fotograf eine eigene Perspektive hat, um eine Geschichte einzufangen – analog, digital, künstlerisch, abstrakt usw. -, macht BRUMMM zu einem besonderen und emotionalen Werk.

Glücklicherweise konnten wir einige Industriepartner, sowie unabhängige Hersteller von Bekleidung oder Accessoires, davon überzeugen, unser Nischenprodukt zu unterstützen. Ohne das ginge es auch nicht. Da wir aber BRUMMM über unseren Vertriebspartner ’Gestalten Verlag’ in über 400 Geschäften weltweit vertreiben, wird es hoffentlich noch viele weitere Ausgaben geben!

 

Brummm Hermann Köpf


Wann und wie kam der „Style“-Faktor in diese Szene? Und wie müde – oder wieder glücklich – bis Du noch ein weiteres Foto von Steve McQueen oder Paul Newman auf dem Motorrad zu sehen?

„Style“ hat bei Motorrädern von Anfang an eine große Rolle gespielt. Und dies umso mehr, als sich das Motorrad als schönes „nice-to-have“ Produkt behauptet hat, auch nachdem Automobile erschwinglich wurden. Wie in vielen Branchen kommen und gehen Wellen der Popularität. In den letzten 10 Jahren hat sich „Motorradfahren“, dieses „wahrscheinlich-letzte-legale-Abenteuer“ für viele Fahrer, die nach ihren langweiligen 9to5-Jobs Nervenkitzel und Spaß erleben möchten, sehr positiv entwickelt. Vor dieser aktuellen Back-to-the-Roots-Welle wurden Motorradfahrer als lärm- und luftverschmutzende „Vollleder-Hooligans“ oder funktionale „Gore-Tex-Safetisten“ ohne McQueen-Faktor degradiert.

Jetzt gibt es eine Vielzahl von inspirierenden kleinen Unternehmen, die Schutz-Kleidung machen, die cool aussehen, sowie Customizer, die für ein wachsendes Publikum entwerfen, das auch auf der Straße seinen eigenen Individualismus zeigen möchte. Und das ist eine wirklich gute Entwicklung!

 

 

Wann hat Dich der Motorrad-Virus infiziert? Was war Dein erstes Bike? Und welches ist Deine Lieblingsmarke?

Meine erste Fahrt war im Alter von 5 Jahren auf einer 1939er Sachs Presto mit Handschaltung und noch einem Nummernschild aus der Vorkriegszeit von 1939. Der Vater meines Freundes nahm den Sattel ab und legte ein Kissen darauf, damit wir mit den Füßen an die Pedale kamen. Langweilige Nachmittage wurden statt mit Videospielen auf den Hinterhöfen gekillt. Wir sind in einem kleinen bayerischen Dorf aufgewachsen, in dem bis 1987 Bergrennen für Motorräder und Autos stattfanden, die unser Leben stark beeinflussten. In meinen Teenagerjahren hatte ich sehr unterschiedliche Motorräder, verliebte mich aber schließlich in meine erste Ducati, die ich heute, nach 28 Jahren immer noch besitze. Ein halbes Dutzend (oder sogar mehr?) Dieser Marke kamen im Laufe der Jahre in meine Garage, alle vor-elektronisch, versteht sich.

 

Brummm Hermann Köpf

 

Was ist so faszinierend daran an Schrauben zu drehen, Teile auszutauschen, Öl-verschmierte Hände und immer Benzin-Geruch in der Nase zu haben?

Wenn ich in meiner Freizeit an alten Jalopies ’rumschraube, ist das ein ganz analoger Ausgleich zu meinem digitalen Job. Sich in mechanische Probleme einzutauchen und nach Lösungen zu suchen, ist für viele Laienmechaniker, wie mich, ein sehr erfüllendes Denkspiel. Die Krönung ist allerdings, wenn am Schluss keine Schraube mehr übrig ist und das Ding nach ein paar kräftigen Kicks wieder anspringt!

Wie viele Stunden im Jahr verbringst Du in der Garage mit Schrauben? Und wie ist das Verhältnis von „am Bike“ zu „auf dem Bike“?

Aufgrund einer meiner Jobs als freiberuflicher Autor und Fotograf für Motorradzeitschriften bin ich in der glücklichen Lage, aktuelle Modelle in schönen Regionen zu fahren. Bei meinen eigenen Projekten steht das Schrauben im Vordergrund und ich arbeite mehr an den Bikes als sie zu fahren. Abgesehen davon lasse ich die Sau lieber bei Amateurrennen und auf Rennstrecken raus, als zu schnell auf zu vollen Straßen zu fahren – was ich zudem noch unverantwortlich finden würde. Natürlich ist Rennen auch gefährlich, aber in den meisten Fällen sind erfahrene Fahrer auf der Strecke und die Chance, von unaufmerksamen Verkehrsteilnehmern umgenietet zu werden, ist geringer. Aber um ehrlich zu sein, kann nichts ein paar Tage biken mit guten Freunden, beispielsweise in den Bergen, ersetzen.

 

Brummm Hermann Köpf

 

Du bist Organisator des “Auerberg Klassik“, einem Bergrennen, wie früher; erzähl’ uns bitte darüber!

Wie bereits erwähnt, wurde ich schon früh von den Bergrennen in meinem Heimatdorf Bernbeuren, etwa 1 Stunde südlich von München, infiziert. Nach 30 Jahren Abstinenz von Motorsportveranstaltungen auf dem Auerberg dachte ich eines Tages, es sei an der Zeit für ein Revival. Also schrieb ich ein Konzept und fragte vier Leute aus dem Ort, an diesem Projekt mitzuarbeiten, und sie sprangen alle auf. Viele Stunden verbrachten wir damit, das Ganze von Grund auf zu organisieren. Schließlich war im September 2017 der Start des ersten Rennwochenendes „Auerberg Klassik“. Übrigens auf den Tag genau 50 Jahre nach dem ersten Rennen 1967. Es war eine sehr spannende und erfolgreiche Veranstaltung! Klassifiziert waren Motorräder, die älter als 40 Jahre alt waren. 165 Fahrer aus verschiedenen Ländern, die im „Regelmäßigkeitsmodus“ (nicht der schnellste Fahrer sondern derjenige mit dem geringsten Zeitunterschied zwischen zwei Läufen gewinnt) in Einzelfahrten antreten, fuhren auf der Bergstraße. Fast 7.000 faszinierte Zuschauer säumten an einem kalten und regnerischen Wochenende die Strecke! Wir haben lokale Clubs eingeladen, Essen und Getränke auf der Veranstaltung zu verkaufen. Die wiederum haben etwa 350 Helfer mobilisiert, um dieses Wochenende zu ermöglichen. Die Begeisterung und die Atmosphäre waren unglaublich. Für Besucher und für Anwohner. Das tolle war wie hautnah man sich die Fahrzeuge, welche die 3,5 km lange Strecke den Berg hoch rasten, anschauen konnte. Als Side-Event baten wir die Besucher, sich in zeitgemäßer Kleidung zu kleiden – um am „best-dressed“ Wettbewerb teilzunehmen – das galt auch für die Organisatoren und Helfer – um ein stilvolles Ambiente und eine Zeitreise in die guten alten Tage des Bergrennens zu kreieren. Wir werden die „Auerberg Klassik“ im Zwei-Jahres-Rhythmus fortsetzen. Die nächste Veranstaltung findet vom 13. bis 15. September 2019 statt. Also, schreibst Euch in die Kalender und bügelt schon mal die Hemden!

 

 

Letzte Frage. Nerd-talk. Motorrad-Fotografie stelle ich mir schwierig vor, ein kleines und schnelles Objekt, kaum Flächen und das ganze vor einem verwischten Hintergrund?

– Absolutly! Es ist viel emotionaler und direkter, als bei Autorenn-Fotografie, da der Fahrer auf dem Moped ja nicht in einem Käfig sitzt. So ist es halt unmittelbarer. Die Physik wirkt ebenfalls unmittelbarer, beispielsweise wenn man das spektakuläre Kurvenverhalten von Renn-Motorrädern aus dem Kofferraum eines davor fahrenden Autos zu fotografieren versucht. „Lustig“ ist auch, wenn man umgekehrt auf einem Motorrad sitzt, dabei an den Fahrer angeschnallt, damit es einen nicht vom Bock haut. Von daher wird man, wenn man 10 Fotografen bittet das gleiche Rennen zu shooten, 10 sehr unterschiedliche Stories bekommen. Es gibt so viele unterschiedliche Ergebnisse, weil es so viel Styles gibt: Krasse Action mit einer 300 mm Linse oder ganz emotional-nah mit einer 35 mm oder auch mal abstrakt mit einer 6×6 Großformat-Kamera in schwarz/weiß. Genau dieser Vielfalt bieten wir in BRUMMM eine sorgfältig kuratierte Bühne!

 

Herman Köpf shot by Horst A. Friedrichs for his Exhibition Speed.

 

Michael Schmidt interviewed Hermann Köpf in October, 2018
Photography of  Auerberg Klassik by Hermann Köpf

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